Ein weit verbreiteter Mythos über Sexualität ist, dass der Partner oder die Partnerin dafür verantwortlich sei, uns „gut zu fühlen“. Wir warten darauf, dass jemand die „richtige“ Stelle findet oder die „perfekte“ Geschwindigkeit wählt. Wenn das nicht passiert, entstehen Enttäuschung oder Frust.
Spüren ist jedoch Eigenverantwortung. Dein Nervensystem ist einzigartig. Was gestern noch angenehm war, kann heute zu viel sein. Niemand kann in dich hineinfühlen – außer dir selbst. Eigenverantwortung bedeutet, die Rolle des passiven Konsumenten zu verlassen und zum aktiven Gestalter des eigenen Erlebens zu werden. Das erfordert Mut, denn es bedeutet auch, Wünsche und Grenzen klar zu kommunizieren.
Die Technik: Das „Wheel of Consent“ (Die 3-Minuten-Übung) Diese Methode von Betty Martin ist ein Grundpfeiler meiner Arbeit. Sie trennt die Handlung (Was tun wir?) von dem Nutzen (Für wen tun wir es?).
Die Übung: Verabrede dich mit deinem Partner für 3 Minuten. Die Regel ist: Du wirst berührt, aber DU führst die Regie. Es geht nicht darum, was der andere gerne geben möchte, sondern nur darum, was DU empfangen willst. Sage ganz konkret: „Bitte streichle meinen Handrücken, ganz langsam, mit nur zwei Fingern.“ Wenn es nicht passt, korrigiere sofort: „Etwas fester“, „Stopp“, „Langsamer“. Das Ziel ist es, die feine Stimme deines Körpers zu hören, die sagt: „Ja, genau so“ oder „Nein, so nicht“. Das ist der erste Schritt in eine selbstbestimmte Sexualität.

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